
Mitsis Rodos Village
5-Sterne-Resort · All-inclusive · Kiotari, Südküste von Rhodos · besucht im Juli 2026
0,0/ 10
Okay
„Architektonisch ein Statement, topografisch eine Wandertour, kulinarisch solide Massenabfertigung. Und dann kommt George mit dem Golfkart und man verzeiht wieder einiges.“
Beeindruckende Anlage, hervorragende Drinks, das Zimmer mit Privatpool als beste Entscheidung des Urlaubs. Sternabzug für charmefreien Service, ein Buffet ohne Höhepunkte und die aussichtslose Liegensituation zwischen 10 und 17 Uhr.
Die Wertung im Detail
Hardfacts
Land
Griechenland, Südküste von Rhodos
Ort
Kiotari
Hotelkette
Mitsis Hotels
Kategorie
5 Sterne
Transfer
ca. 66 Minuten vom Flughafen
Check-in / Check-out
14:00 / 12:00 Uhr
Main Restaurant (Buffet)
Frühstück 07:00–10:30, Mittag 12:30–14:30, Abend 18:30–21:30, Late Buffet 22:00–04:00, Early Breakfast auf Anfrage ab 04:00
À la carte (6 Outlets)
Griechisch, Italienisch, Burger, Souvlaki, Pizza am Strand, Creperie. Reservierung nötig, Dresscode „Island Chic“. Die Slots sind schnell weg, am besten schon vor Anreise buchen.
Bars
Day Bar und Night Bar als Hauptbars (Namen bitte nicht wörtlich nehmen), Pool Cocktail Bar (10:00–18:00), Bar am Indoor-Pool, Beach Bar, Bar am Amphitheater
Strandverpflegung (neu)
Asian Corner, Italian Corner, Healthy Corner
Pools
Salzwasser-Infinity-Pool, beheizter Indoor-Pool, diverse Außenpools, Zimmer mit Privatpool buchbar
Sonstiges
Spa, Gym, Tennis, Wassersport, Kids Club „Storyland“ (10:00–17:00, 4–12 Jahre), Amphitheater mit Abendshows
Transfer
Über den Mitsis-Schalter am Flughafen, 105 € pro Strecke, gratis ab 7 Nächten und 2.500 € Reservierungswert pro Zimmer
Strand
Geteilter Strandabschnitt mit dem Schwesterhotel Mitsis Rodos Maris
Das Urteil in Kurzfassung
Wenn euch Architektur und Drinks reichen: bucht. Wenn euch auch wichtig ist, wie man euch behandelt, was ihr esst und ob ihr tagsüber überhaupt eine Liege bekommt: eher nicht. Ein Zimmer mit privatem Pool ist die beste Entscheidung, die man hier zusätzlich treffen kann, das Buffet dagegen eines, bei dem das Kinderbuffet der ehrlichste Kritiker ist. Der Service ist effizient, aber ohne jede Wärme, und zwischen 10 und 17 Uhr ist die Liegen-Situation schlicht aussichtslos. Kurz gesagt: Das Haus sieht aus wie fünf Sterne und benimmt sich wie drei.
Für wen passt das?
Passt, wenn du …
- +dir Logistik abnehmen lassen willst (Mitsis-Schalter am Flughafen)
- +Early Bird bist (früh morgens gibt es freie Platzwahl)
- +einen privaten Pool zu schätzen weißt, er ist die Liegen-Versicherung
- +gut zu Fuß bist, denn die Anlage ist bergig und der Strand eine Etappe
Eher nichts, wenn du …
- -herzlichen, persönlichen Service erwartest
- -wegen des Essens verreist
- -zwischen 10 und 17 Uhr eine freie Liege erwartest
- -einen warm temperierten Privatpool erwartest
- -dem Rauchen an der Bar frönen willst
Das Logbuch
Stefan · 12 Min. Lesezeit
Tag 1
Ankommen, Höhenmeter checken, Bars studieren
Die Anreise, oder: Wie man sich das Leben einfach macht
Vom Flughafen Rhodos bis zum Hotel sind es eine Stunde und sechs Minuten mit dem Auto. Wir haben über das Hotel einen Shuttle organisiert: 105 € hin, 105 € retour. Geht sicher günstiger, aber wir wollten uns das Leben so einfach wie möglich halten, und manchmal ist Bequemlichkeit eben ein Preisschild.
Der Ablauf selbst: erstaunlich reibungslos. Am Flughafen zum Mitsis-Schalter, der Dame gesagt, dass wir ein Taxi gebucht haben, die Kollegin ruft den Taxler an, und ein paar Minuten später steht er da. So kann Urlaub anfangen.
Zur geografischen Lage von Rhodos muss man nicht viel sagen: Insel mit viel Gestein, ein bisschen Grün, immer Wind, und alles einen Hauch ranzig. Charmant-ranzig, aber ranzig.
Ankommen und gleich mal die Höhenmeter checken
Beim Aussteigen sieht man als Erstes: Golfkarts, die einen zum Zimmer bringen. Als Zweites: Es ist bergig. Da war uns klar: Wir haben offenbar unwissentlich eine viertägige Wandertour mitgebucht.
Architektonisch ist die Anlage allerdings wirklich beeindruckend. Am Check-in wurden wir sofort begrüßt, und es gab feuchte Handtücher. Lieben wir. Kleiner Dämpfer danach: Ankunft um 11, Zimmer ab 14 Uhr. Normale Check-in-Zeiten halt, aber drei Stunden wollen überbrückt werden.
Bar-Studien, Teil 1: Day Bar
Also das Naheliegende getan und die Bars abgecheckt. Die Day Bar gleich neben der Rezeption (der Name ist übrigens fraglich, sie hat auch abends offen und ist de facto eine der zwei Hauptbars) hat einen richtig coolen Außenbereich. Für uns Raucher mit einem Wermutstropfen: Rauchen ist dort nicht erlaubt. Aber okay, wir sind ja flexibel. Betriebshinweis für Neuankömmlinge: Draußen an den Tischen auf eine Kellnerin zu warten, lohnt sich kaum, die meisten stellen sich gleich selbst an der Theke an. Geht schneller.
Frappé und ein Glas Wein: beide hervorragend. Und der hauseigene Mitsis-Wein verdient eine eigene Erwähnung: sehr neutral, nicht zu hantig, nicht sauer, nicht aufdringlich fruchtig. Einfach ein normaler Wein, der gut runtergeht. Mehr muss ein Hotelwein gar nicht können.
Bar-Studien, Teil 2: Night Bar
Weiter zur Night Bar, die tagsüber geöffnet hat. Die Namensgebung bleibt also konsequent inkonsequent. Hier: ein Negroni und ein paar Gläser Wein. Der Negroni war vorgemixt, trotzdem gut und verdammt stark. Man merkt, wo hier die Prioritäten liegen, und wir können damit leben.
Das Mittagsbuffet, oder: Das Quadrat der Enttäuschung
Um 12:30 sperrt das Main Restaurant auf (bis 14:30), also noch schnell essen. Wenig los um die Zeit. Platz selbst ausgesucht, und flott kam eine Mitarbeiterin für die Getränkebestellung.
Und da fällt es zum ersten Mal auf: Irgendwie fehlt hier der Charme. Auf Zack? Absolut. Aber es ist ein einseitiges Verhältnis: Getränke bringen, Abmarsch. Kein Lächeln, keine Wärme. Service als Logistikleistung.
Das Buffet selbst: eher Quantität als Qualität, und nicht einmal das. Eine Salatbar mit Antipasti-Zeug, ein Kinderbuffet mit den Klassikern (Pommes, Bolognese), und dann das „richtige“ Buffet. Man stelle sich ein Quadrat vor, rundherum Essen. Denkt man. Tatsächlich waren zwei gegenüberliegende Seiten bestückt, je fünf Gerichte, davon auf beiden Seiten fast dieselben, ein bis zwei Ausnahmen. Das Essen: durchschnittlich. Nichts Aufregendes, nichts Spannendes. Satt wird man, glücklich eher nicht.
George. Einfach George.
14:30, endlich. Kurz zur Rezeption, und da kam auch schon George, unser Chauffeur. Ab aufs Golfkart, und George fuhr mit uns erst einmal übers komplette Gelände und erklärte, wo was ist. Am Zimmer angekommen zeigte er uns noch alles im Detail. Wenn das ganze Hotel den Charme von George hätte, wäre die Service-Wertung eine andere. (Nachtrag ein paar Tage später: Es blieb bei diesem einen Auftritt, wir haben George nie wieder gesehen. Starker erster Eindruck, offenes Ende.)
Das Zimmer: mit privatem Pool. Nett. Und wie sich noch zeigen sollte: im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung.
Balkon-Tetris
Ein Wort noch zum Balkon: vollgeräumt. Eine große Strandmuschel, zwei Sessel, zwei Hocker, ein Tisch, ein Handtuchständer und zwei Schwimmreifen. Viel Zeug für wenig Platz. Wer hier sitzen will, spielt erst eine Runde Tetris. Also alles umgeschlichtet, bis tatsächlich Platz war. Man richtet sich ein.
George verlässt uns, und wir konnten endlich mit dem eigentlichen Urlaubsprogramm starten: nichts tun.
ℹ Zimmer 550: Funkloch mit Aussicht
Kleine Randnotiz zu Zimmer 550: WLAN am Balkon ist Mangelware, und auch das Internet unserer Handyverträge mag diese Ecke der Anlage nicht besonders. Im Zimmer selbst: alles kein Problem. Am Pool heißt es also unfreiwillig Digital Detox. Man könnte es glatt als Feature verkaufen.Minibar-Forensik und das Abendbuffet
Nach ein paar Stunden am „hauseigenen“ Pool, der übrigens eindeutig für Sportschwimmer gemacht ist: gefühlte 22 Grad. Es bleibt also bei kurzen Erfrischungsaktionen statt stundenlangem Wasseraufsaugen; zum Fischmenschen mutiert hier niemand, und einer gründlichen Plünderung der Minibar die erste Ernüchterung: Es war genau eine kleine Flasche Wein drin. Und die wird angeblich nicht nachgefüllt, nur Softdrinks und Wasser. Das müssen wir spätestens morgen angehen. Prioritäten.
Es wird spät, also ab zum Abendbuffet. Das Quadrat der Enttäuschung ist selbstverständlich wieder vertreten, diesmal mit Vorprogramm: Anstellen. Um 20:30 wollen offenbar SEHR viele Leute essen. Zehn Minuten Wartezeit, alles kein Stress, aber man notiert es sich. Nach der Tischzuweisung bestätigt sich die Mittags-These vollumfänglich: null Schmäh, null Charme. Und das Essen? Wie zu Mittag, nur bei Dunkelheit.
Was uns außerdem auffällt: Von einem Live-Cooking-Theater keine Spur. Die Website verspricht wörtlich „the theatre of live cooking”, gesehen haben wir davon einen Mitarbeiter, der Fisch anbriet, und morgens beim Frühstück Spiegeleier und Pancakes, für die man sich wie überall sonst im Haus anstellte. Nett gemacht, aber ein „Theater” ist das nicht wirklich, eher eine Kochplatte mit Publikum.
Abendprogramm: Show ja, Band nein
Danach noch ein paar Cocktails. Komisch nur: keine Live-Band, nirgends, obwohl die Website mit Live-Bands wirbt. Vielleicht probt sie gemeinsam mit dem Live Cooking.
Beim Spaziergang durch die Anlage dann noch die Show im Amphitheater, klar an Kinder gerichtet, aber die vier Mädels haben wirklich gut gesungen. Danach: Bett. Es war ein langer Tag.
Tag 2
Neuer Tag, neues Glück
Frühstück im Quadrat
Nach der gestrigen Anreise (um 02:30 Richtung Flughafen, Abflug 06:00) waren wir komplett fertig und den ersten Tag hauptsächlich am eigenen Pool. Heute wird also mehr abgecheckt.
Frühstück gibt es bis 10:30 im Hauptrestaurant, wir kamen um 10:00, und siehe da: anstellen. Damit muss man rechnen, halb so wild. Nachdem uns mal wieder ein „sehr charmanter“ Mitarbeiter nach den Getränken gefragt hatte (Kaffee, natürlich), ging es zurück ins Quadrat der Enttäuschung.
Auch hier: überschaubar. Ein paar Früchte, etwas Wurst und Käse, die Salatbar, das Kinderbuffet. Immerhin, und das muss man lassen: Spiegeleier und Pancakes werden frisch zubereitet. Der Rest: voll, eng, funktional.
Expedition Strand
Danach wollten wir uns den Strand ansehen. Es blieb beim Ansehen.
Also nochmal „schnell“ aufs Zimmer, Badesachen und Handtücher packen. Wobei: Warum gibt es eigentlich keinen Beach Bag am Zimmer? Warum?, und ab zum Strand. Der ist bei uns mit einer eigenen Wanderetappe verbunden: Zimmer ziemlich weit hinten, also einmal quer durch die Anlage zum Haupteingang, über die Überführung Richtung Nachbarhotel Mitsis Rodos Maris, hier ein paar Stufen, da ein paar Treppen, ein Stück durchs Gemüse, und dann: THE BEACH.
Ganz feiner Kieselsandstrand, wirklich nett, und groß. Einziges Problem: Beide Hotels teilen sich diesen Abschnitt, und um 11:00 waren wir schlicht zu spät. Keine. Einzige. Freie. Liege. Das erklärte auch die Leute, die uns mit Handtüchern und Beuteln entgegenkamen. Die hatten offenbar auch nichts gefunden.
Dabei haben sie heuer auf ein neues Strandkonzept gesetzt: Liegen und Sitzsäcke. Schaut cool aus. Aber ein freier Sitzsack ohne Schirm bringt mir bei rhodischer Mittagssonne exakt gar nichts. Kurze Inspektion, nüchterner Befund: Das wird nix.
⚠ Ehrliche Anmerkung
Der Strand selbst: schön, solange man aufs Meer blickt. Der Blick nach hinten offenbart Müll, Reste alter Stranddeko und anderes Gerümpel. Blickrichtung ist hier keine Geschmacksfrage, sondern eine Empfehlung.Also wieder zum Rückmarsch angesetzt, zurück zum eigenen Pool. Unterwegs an sämtlichen Poolbereichen vorbei, und da zeigt sich das nächste Problem: alle Liegen besetzt. Alle. Ich frage mich nur: Wo gehen die anderen Menschen hin?
Die Pool Bar, oder: Die Lehre von den leeren Flaschen
Die nächste Pool Bar ist nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt, sie wird also unsere Hauptflüssigkeitsquelle, wann immer wir am Zimmer sind. Einziger Haken: Sie sperrt um 18 Uhr zu.
Erster Besuch am Nachmittag, erste Ernüchterung: eine sehr reduzierte Getränkekarte. Wir starten mit Hugo Spritz und Negroni. Zweiter Besuch: Es gibt keinen Hugo Spritz und keinen Negroni mehr. Leer. Es ist 15:00 Uhr. Aber okay, vermutlich hat das Personal keine Lust, während der stressigen Arbeitszeit auch noch eine Wanderung zum Nachschublager hinzulegen. Verstehen wir. Wir kennen die Anlage mittlerweile.
Also begnügen wir uns mit Aperol Spritz und dem hauseigenen Cocktail „Lovely Day“. Die erste Wahl wäre ja der Spicy Passion Fruit Margie gewesen, aber dafür braucht man Tequila, und der war ebenfalls aus. Danach noch eine Runde Frappé. Man arrangiert sich.
Expedition Strand, zweiter Versuch
Um 17 Uhr starten wir den zweiten Anlauf Richtung THE BEACH. Kurz stand die Überlegung im Raum, eine Lunchbox für unterwegs zu organisieren, es ist ja weit. Spaß beiseite.
Am Ende der Expedition dann die Sensation: freie Liegen. Die Gerüchte stimmen also: Gewisse Familien treten um 17 Uhr den Rückmarsch an, um pünktlich um 18:30 beim Abendessen zu erscheinen. Wir gönnten uns noch schnell ein paar Cocktails an der Strandbar (sperrt ebenfalls um 18 Uhr) und danach einfach nur Meeresrauschen, bis der Hunger kam.
Themenabend: „International Cuisine“, in Auswahl
Heute stand am Abendbuffet International Cuisine am Programm. Die internationale Küche war für unsere Essensgewohnheiten allerdings sehr überschaubar interpretiert: Hase mit Kohl in irgendeiner Pampe, Rinderleber, diverse Bohneneintöpfe, Beef Stroganoff, abgebratene Fischfilets. Da war nichts für mich dabei. Na zum Glück gibt es immer Pommes.
Abendunterhaltung, diesmal tatsächlich live
Danach wieder zur Bar. Und siehe da, heute mit Live-Programm: ein etwas älterer Herr, der trällerte und sang. Ein kurzer Blick ins Publikum, und man wusste, was einen erwartet. Sagen wir so: Zielgruppe getroffen. Nur halt nicht unsere.
Tag 3
Der frühe Vogel kriegt die Liege
Der nächste Morgen startete früher: 8:30 Uhr Frühstück, wenig los, angenehm. Danach direkt zum Strand, die Hoffnung groß, dass es diesmal klappt. Und siehe da: freie Platzwahl. Perfekt. Das gilt übrigens genauso für die Pools: Early Birds haben nirgends ein Liegenproblem.
Das Bermudadreieck der Verpflegung
Nach ein paar Stunden Strandliegen und dem einen oder anderen Besuch an der nahegelegenen Bar wagten wir uns zur Verpflegungsstation am Strand. Seit heuer gibt es dort drei Stände: Asian Corner (Nudelbox), Italian Corner (Pizza) und Healthy Corner (Salate und Wassermelone). Dazwischen: Sitzmöglichkeiten. In der prallen Sonne. Ohne einen Quadratzentimeter Schatten. Wer sich in diesem Bermudadreieck niederlässt, verschwindet zwar nicht spurlos, verbrennt aber zuverlässig.
Also ein paar Stücke Pizza und einen griechischen Salat geholt und zurück auf die Liege. Und siehe da: Das Essen am Strand ist teilweise besser als im Main Restaurant. Die Pointe schreibt sich von selbst.
Der Spaghetti-Bolognese-Index
Das Abendessen: wieder überschaubar. Und wenn auffällig viele Erwachsene lieber zur Spaghetti Bolognese vom Kinderbuffet greifen als zum Themenessen, dann ist das kein Zufall, das ist eine Bewertung. Der ehrlichste Gastrokritiker dieses Hauses ist das Kinderbuffet.
Danach noch ein paar Espresso Martinis, wieder ohne Live-Unterhaltung, die Band bleibt ein Gerücht, und ab ins Bett.
Tag 4
Die Routine steht
Der nächste Tag lief nach dem inzwischen bewährten System: bis zum späten Nachmittag am zimmereigenen Pool, danach an den Strand, wenn die 17-Uhr-Abwanderung der Familien die Liegen freigibt. Im Großen und Ganzen war es das auch. Und ehrlich: Genau so soll Urlaub sein: Irgendwann hört das Testen auf, und das Nichtstun übernimmt.
Feierabend als Kampfansage
Um 17 Uhr aufgebrochen, mit Zwischenstopp bei der Rezeption: Im Laufe des Tages kam die Mail, dass wir das Taxi für morgen zahlen sollen. Kurz gewartet, Anliegen geschildert, und dann folgte die vermutlich effizienteste Konversation unseres Aufenthalts: „Das macht 105 €.“ „Danke.“ Quittung in die Hand, Ende der Durchsage. Keine Bestätigung, ob morgen alles klappt, keine Uhrzeit, kein Satz. Wir haben im Grunde an einem Bankomaten mit Personal bezahlt. Sind wir die Einzigen, die sich zumindest ein „Passt, das Taxi ist für morgen bestätigt“ erwarten? Naja, was soll es. Wir sind mittlerweile im Haus sozialisiert.
Weiter zum Strand: Kurzwanderung absolviert, sofort ins Meer. Danach kurz trocken werden und noch schnell zur Strandbar. 17:40, eine lange Schlange. Offenbar hatten mehrere Menschen die absurde Idee, an einer Bar zwanzig Minuten vor Schluss noch etwas trinken zu wollen. Anfängerfehler.
Dann die Vorstellung des Abends: Der Kellner wird laut. Eine Gästin wollte bestellen, und sein aggressiver Ton, er sperre bereits zu, traf die ganze Schlange an einem wunden Punkt. Zur Erinnerung: Es ist 17:40, offiziell ist bis 18 Uhr offen. Wir fragten trotzdem höflich, ob noch etwas ginge. Sichtlich angewidert bekamen wir eine Cola und ein Glas Wein, garniert mit dem Hinweis, dass er außer dem nichts mehr mache. Eine weitere Kundschaft wurde noch abgefertigt, um 17:45 war zu. Der Mann hat es damit tatsächlich geschafft, fünfzehn Minuten vor dem Feierabend Feierabend zu machen. Respekt, das muss man erst einmal durchziehen.
Man würde es ja verstehen, wenn um 17:55 noch eine Monster-Bestellung hereinkäme. Aber Gäste anzufahren, weil sie innerhalb der Öffnungszeiten bestellen wollen, ist schon eine bemerkenswerte Auslegung von All-inclusive: alles inklusive, außer Freundlichkeit nach 17:39.
„Alles inklusive, außer Freundlichkeit nach 17:39.“
Aus dem Kapitel „Feierabend als Kampfansage“
✶ Zwischenspiel: Barkeeper-Studien
Am zweiten Tag fragte uns ein Barkeeper der Day Bar, woher wir kommen. Am dritten Tag fragte uns derselbe Barkeeper, woher wir kommen. Kurzzeitgedächtnis. Oder ein sehr konsequent durchgezogenes Smalltalk-Programm. Überhaupt wirkt vieles im Haus unorganisiert und chaotisch; der eine weiß nicht, was der andere macht. Die große Ausnahme ist ausgerechnet das Main Restaurant: Dort tragen alle Walkie-Talkies und funken sich gegenseitig die Tischeinteilung zu. Die einzige Abteilung des Hauses mit Kommandostruktur.À la carte: theoretisch
Einen Versuch waren uns auch die sechs À-la-carte-Restaurants wert, geblieben ist es beim Versuch. Kein einziger Timeslot mehr frei, die ganze Woche.
➤ Der wichtigste Tipp
Wer hier À la carte essen will, reserviert am besten schon vor der Anreise. Betrachtet das als den wichtigsten praktischen Tipp dieser Bewertung.Berühmtheit auf Zeit
Wir genießen noch die letzten Sonnenstunden, da kommen ein paar angeheiterte Engländer vorbei und wollen ein Foto von meinem Mann. Er sehe scheinbar aus wie ihr Cricket-Kumpel, oder ihr verschollener Bruder, so genau wissen sie es selbst nicht mehr. Der britische Slang hat da schon ordentlich reingehauen. Er posiert kurz für die Foto-Sammlung wildfremder Engländer, dann ziehen wir gemeinsam weiter zum Abendessen, das keine weitere Erwähnung verdient. Danach noch ein paar Runden Cocktails mit der zweiten Live-Band unseres Aufenthalts. Wow, tatsächlich zwei. Die Statistik verbessert sich sprunghaft.
Tag 5
Der letzte Sieg im Liegenkrieg
Am finalen Tag ging es früh raus. Check-out ist offiziell um 12 Uhr, unser Late-Check-out-Wunsch wurde nicht genehmigt, und wir wussten genau, was das bedeutet: noch ein Liegen-Drama, wenn wir nicht rechtzeitig am Strand sind. Also um 9 Uhr ausgecheckt, mit Gepäck an den Strand marschiert und die letzte freie Liege ergattert. Ausgecheckt, aber noch nicht abgereist, und trotzdem schon wieder im Wettkampfmodus. Was läuft hier nur falsch?!
Die letzten Stunden verbrachten wir dann tatsächlich in Ruhe, fast schon versöhnlich. Um 18 Uhr holte uns der Taxifahrer ab, gaaaanz gemütlich, als hätte er von unserem Rezeptions-Erlebnis mit den 105 € gelernt: Zeit lassen, nichts erklären. Und damit endete unser fünftägiger Griechenland-Urlaub. Fazit in einem Wort: durchwachsen. Fazit in einem Bild: Ups & Downs, im Wortsinn, denn zwischen Zimmer und Strand lagen ja bekanntlich ziemlich viele Höhenmeter.
Sternabzug: verdient. Wiederkommen: eher nicht.